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Über f&f web

Prolog/Anstoss

„14-Jährige landet nachts volltrunken in der Notaufnahme.“

„13-Jähriger säuft sich mit 50 Tequillas in den Tod.“

„15-Jähriger wegen Erpressung festgenommen.“

„Im Alter von 13-14 Jahren haben 40% der Jugendlichen schon einmal geraucht.“

„Stetig steigender Cannabiskonsum bei Jugendlichen nun gestoppt?“

„14-Jährige von Mitschülern vergewaltigt“

 

Süchtig wird man nicht von einem auf den anderen Tag und schweren Regelverstössen gehen oftmals Verhaltensauffälligkeiten und Risikoverhalten voraus.
Lehrpersonen nehmen Veränderungen im Verhalten ihrer Schülerinnen und Schüler im Schulalltag wahr: Häufiges Zu-spät-Kommen, im Unterricht nicht präsent sein, ausgegrenzt sein.


Solche Merkmale müssen nicht zwingend auf eine Auffälligkeit hindeuten oder nicht unbedingt zu Regelverstössen führen. Aber durch ein frühes Erkennen von Verhaltensauffälligkeiten und frühes Intervenieren, können die sozialen Ressourcen der Jugendlichen noch aktiviert werden, die Entwicklung kann sich noch zum Guten wenden. Später werden diese Ressourcen oftmals durch die Macht der Folgeprobleme erdrückt.


Wirkungsvolle Früherkennung und Frühintervention basieren auf einer gemeinsamen Haltung der Schulhausteams, klaren Regeln, Abläufen und Massnahmen und funktioniert nur, wenn der Miteinbezug von Eltern, Fachstellen und Behörden und weiterer schulinterner und -externer Kooperationspartner gewährleistet ist.


Ziel von f&f web ist ein möglichst effizienter Umgang mit Auffälligkeiten und die schnellstmögliche Unterstützung und Intervention der Fachstellen zur Krisenbewältigung.


Dies im Sinne der betroffenen Schülerin/des betroffenen Schülers, aber auch im Sinne einer möglichst raschen Entlastung der Lehrperson. 


Sie als Lehrperson sind jedoch das wichtigste Instrument der Früherkennung und Frühintervention: Ihr Verantwortungsgefühl, Ihr Welt- und Menschenbild, Ihre sozialen und kommunikativen Kompetenzen werden jedes Erkennen und Intervenieren trotz allem prägen.

 

 

f&f web - das Stufenmodell

 

Das Stufenmodell von f&f web legt den Umgang mit verschiedensten Auffälligkeiten fest, macht ihn für alle transparent und berechenbar. Es ist ein Instrument zur Früherkennung und Frühintervention. Das Stufenmodell ist eingebettet in ein Gesamtkonzept und wird durch andere Massnahmen ergänzt, denn Frühintervention besteht immer aus Regel- und Hilfssystem. So gibt das Stufenmodell z.B. keine Antworten auf Fragen wie: Was zeigt uns, welche Schüler/in wirklich gefährdet ist? Was ist wichtig für Lehrpersonen in der Gesprächsführung bei Kurzinterventionen? Wie handeln bei Gefährdung? Wie können Ressourcen der Jugendlichen trotz Widerstand aktiviert werden?

 

Stufen

Im Stufenmodell werden Regelverstösse in fünf Stufen eingeordnet und haben folgende Konsequenzen für die SchülerIn:


  • 5. Stufe: Weiterleitung Behörde:Behörde entscheidet über Time out, Schulausschluss oder Weiterbeschulung?
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  • 4. Stufe: Familiengespräch Fachstelle: Gespräch mit SL, Klassenlehrperson, Behörde und Eltern. Familiengespräch auf der Fachstelle.
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  • 3. Stufe: Einzelgespräch Fachstelle: Gespräch mit Schulleitung, Klassenlehrperson und Eltern. Einzelgespräch auf Fachstelle: Gespräch mit Schulleitung, Klassenlehrperson, Behörde und Eltern.
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  • 2. Stufe: Auseinandersetzung: Auseinandersetzung mittels Arbeit. Elternbrief und Info an Schulleitung.
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  • 1. Stufe: Ermahnung: Gespräch mit Klassenlehrperson

„EinstiegsCheck“

Es wird nicht erwartet, dass Lehrer/Lehrerinnen sich als Psychologen/Psychologinnen oder Therapeuten/Therapeutinnen betätigen. Auch sollen auf gar keinen Fall Diagnosen gestellt werden.


Lehrer/Lehrerinnen können und sollen aber im Umgang mit Schülern/Schülerinnen ihre pädagogischen Kompetenzen einbringen. Wenn die Schule helfen will, müssen Signale wahrgenommen und benannt werden.


Im EinstiegsCheck geht es darum, einerseits regelwidriges Verhalten und andererseits die oberflächlichen Symptome zu erfassen. Ihnen soll eine möglichst kurze Erklärung und Situationsbeschrieb geliefert werden, dies als eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen der nachfolgenden Schritte. Signale zu erfassen. Daraus ergeben sich verschiedenste Wege, Hilfen, Methoden oder Vorgehensweisen. Es kann sich dabei um interne (Besprechung im Team, mit Vertrauenslehrkraft, Schulleitung etc.) oder um externe Möglichkeiten (Beizug von Fachstellen, weiterführende Massnahmen wie z.B. der Runde Tisch/RTS) handeln.


Der EinstiegsCheck soll so früh wie möglich in jeder Situation eingesetzt und durchgeführt werden.

 

Der Runde Tisch (RTS)

Ein Schüler/eine Schülerin, der/die durch regelwidriges Verhalten auffällt, hat nicht zwingend auch Probleme. Ein Schüler/eine Schülerin, der/die Probleme entwickelt oder hat, wird auch Verhaltensauffälligkeiten zeigen. In beiden Fällen sind verschiedene Fachstellen involviert oder zeichnen sich zuständig. Der Schule ist es ein dringendes Anliegen, baldmöglichst den „richtigen“ Ansprechpartner zu kennen.


Dieses Ziel soll gemeinsam angegangen werden, Schnittstellen sollen genutzt und sämtliche nötigen und/oder möglichen Ansprechpartner früh miteinbezogen werden.


Der „Runde Tisch“ (RTS) ist eine koordinierte Intervention mehrerer Akteurinnen oder Akteure zur Bearbeitung der komplexen menschlichen Problemlage, in der sich der Schüler/die Schülerin befindet. In einem systematisch geführten, kooperativen Prozess werden auf den individuellen Bedarf abgestimmte Dienstleistungen erbracht. Es sollen gemeinsam vereinbarte Ziele und Wirkungen effizient erreicht werden.


Der RTS stellt über professionelle und institutionelle Grenzen hinweg einen Versorgungszusammenhang her. Er respektiert die Autonomie der Schülerinnen und Schüler und nutzt und schont die Ressourcen beim Jugendlichen, bei den Erziehungsberechtigten sowie auch im gesamten Unterstützungssystem.
Der RTS kann zu jeder Zeit bei einer Auffälligkeit eingesetzt werden.

 

RTS-Einsatz:

- wenn verschiedene Bereiche und Personen beim Verhalten eines Schülers involviert sind (Schüler, Eltern, verschiedene Lehrpersonen, SL, Behörde, SSA = interner RTS)
- wenn sich verschiedene Ereignisse auf Stufe 1 und 2 kumulieren und somit verschiedene Fachstellen ansprechbar sind (z.B. Rauferei Stufe 1, Alkohol 2x erwischt, 1x Sprayen und aus Wut eine Scheibe zertrümmert = externer RTS)
RTS-Teilnehmende:

 

RTS-Teilnehmende:
Eine gezielte, sinnvolle Auswahl folgender Personengruppen:

  • Schülerin oder Schüler
  • Eltern, Erziehungsberechtigte
  • Klassenlehrperson und andere involvierte Lehrpersonen
  • Schulleitung, Behörde
  • Fachstellen gemäss EinstiegsCheck

RTS-Ziel:


- Schülerinnen und Schüler mit klar umschriebenen Verhaltensauffälligkeiten frühzeitig der optimalen Intervention zuführen zu können
- das Verantwortungsbewusstsein der Eltern gegenüber dem Kind und dessen Verhalten zu fördern
- eine nachhaltige Verbesserung oder Lösung der Situation durch einen gemeinsam entworfenen Entscheid über Vorgehen, Lösungswege, mit welcher Fachstelle und unter Berücksichtigung der Zeitachse


Diese Ziele werden durch ein gemeinsames Gespräch und den daraus entstehenden Entscheid erreicht.
Ein wesentlicher Teil der RTS ist deshalb der Information über die Ursachen und Auswirkungen aktueller Entwicklungen und dem Austausch von Erfahrungen der Tischmitglieder untereinander gewidmet. Daraus soll ein klar definiertes Vorgehen resultieren.


Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Meinungen, der Konfrontation mit der realen Situation und Verhaltensweisen fördert bei den Mitgliedern von RTS eine Form der Toleranz, die Gemeinsamkeiten über Unterschiede hinweg entwickelt und dabei Gräben nicht zuschüttet, sondern Brücken baut.

 

Feedback

  • Formulieren Sie Ihre Problemstellung
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  • Teilen Sie uns Bemerkungen und Anregungen mit: info@perspektive-tg.ch

Themen:

  • Schulhauskultur als Grossbaustelle
  • Herausforderungen und Ängste
  • Zieldesign – in welche Richtung gehen wir?

Uns stellt sich immer wieder die Frage, wie wir die von Ihnen, in der Umsetzung von f&f web gemachten Erfahrungen, optimal verwerten können. Das Feedback bietet Ihnen und Ihrem Team eine automatisierte Möglichkeit dazu. Kontakt »

 

Einige Fragen zum Abschluss:

  • Wie steht es um das eigene Vorbild?
  • Wie haben Sie den Konsum, Genuss oder Gebrauch von Tabak, Alkohol bei Ihnen im Kollegium geregelt?
  • Wie werden die Pausen in der Schule verbracht?
  • Wie die Schulfeste gestaltet?
  • Kinder und Jugendliche suchen Vorbilder.

Und Sie persönlich?

  • Wie gehen Sie in Ihrer Arbeit mit Wut und Frust um?
  • Brauchen Sie schnell eine Zigarette oder eine Schmerztablette, wenn Sie unter Stress stehen?
  • Strahlen Sie Lebensmut, Konfliktfähigkeit und Zukunftshoffnung aus?
  • Dürfen Sie auch mal schwach sein?
  • Verändern Sie sich noch – auch durch Krisen?

Unangenehme Fragen, deren Beantwortung uns jedoch glaubwürdiger machen. Vielleicht finden wir darin auch Antworten auf Fragen, die Jugendliche haben – und die sie uns mit ihren Krisen und Experimenten aufgeben. Und uns damit in Bewegung halten.

 

Denn eines haben wir gemeinsam:

 

Wir alle sind auf dem Weg.

 

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Kanton Thurgau